15.03.2019 bis 15.02.2020

An kaum einem anderen Ort lässt sich die schöpferische Kraft Henry van de Veldes (1863-1957) besser erfassen als im Haus Schulenburg in Gera. Das 1913/14 errichte Gebäude für den Textilfabrikanten Paul Schulenburg ist ein Meisterwerk. Im Innern öffnet sich die Kuppelhalle mit einer beeindruckenden Treppenanlage als Mittelpunkt des Hauses. Die angrenzenden historischen Räume zeigen, wie der Universalkünstler das Gebäude als Gesamtkunstwerk begriff und bis zu den Möbeln und Dekorationen ihrer Nutzung gestaltete.

 Belgischer Pavillon, Weltausstellung, Paris, 1937

Die Ausstellung dokumentiert wesentliche Lebensabschnitte Van de Veldes. Der in Antwerpen und Paris ausgebildete neoimpressionistische Maler wechselte 1892/93 unter dem Einfluss der englischen Arts & Crafts-Bewegung und durch die Berührung mit der eben erst bekannt gewordenen japanischen Kunst zum Kunstgewerbe. In zahlreichen Schriften formulierte er mit den Prinzipien der „vernunftgemäßen Gestaltung“ einen Kanon der abstrakten künstlerischen Mittel.

Präsentiert werden Wiegendrucke der Moderne, die Zeitschriften „Van Nu en Straks“, „L´art décoratif“ und Buchgestaltungen. Die Beiträge und Grafiken offenbaren Tendenzen internationaler Kunst und vermitteln einen Eindruck in die künstlerischen Auseinandersetzungen im Fin de Siècle. Van de Veldes Engagement für die Ausbildung von Architekten und Gestaltern gipfelte in der Gründung der Schule von La Cambre in Brüssel, die nach seiner Weimarer Kunstgewerbeschule und dem später daraus entstandenen Bauhaus von Walter Gropius von ihm selbst als „dritte Zitadelle der Moderne“ bezeichnet wird. Wichtige architektonische Projekte realisierte Van de Velde nach seinem Weggang aus Weimar in Holland, Belgien und auf den Weltausstellungen in Paris und New York. Architekten wie Le Corbusier und Mendelsohn schätzten ihn als überaus bedeutenden Visionär der Moderne. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.